
Was versteckst du unter deinem Kopftuch?
Neulich fragte mich ein neunjähriges Kind:
„Was versteckst du unter deinem Kopftuch?“
Verstecken?
Ich war überrascht und völlig unvorbereitet auf diese Frage.
In unserer Grundschule finden jedes Jahr mehrere Gottesdienste in der Kirche statt. Für die Religionskinder ist die Teilnahme verpflichtend, für die Ethikkinder freiwillig. Meine Kinder gehen mit. Ich finde es unproblematisch, wenn sie gemeinsam mit ihren christlichen Klassenkameradinnen und Klassenkameraden beten. Sie wissen, wie wir zu Hause beten und Pfarrerin erinnert die Kinder vor dem gemeinsamen Gebet daran, dass in anderen Religionen anders gebetet wird und dass sie ihre Hände so halten wollen, wie sie möchten.
Schade finde ich nur, dass sich Eltern und Kinder anderer Religionen dabei oft nicht angesprochen fühlen wenn in der Schule ein christlicher Gottesdienst stattfindet. Die ganze Schule geht in die Kirche, ein Teil bleibt in der Schule.
Wir führen oft Gespräche über den Gottesdienst. Ich erkläre meinen Kindern, welche Begriffe im Christentum und im Islam welche Bedeutung haben. In der ersten Klasse fand mein Sohn alles schön aber in der vierten Klasse fragte mich, warum er überhaupt zum Gottesdienst gehen soll:
„Du musst nicht mitgehen“
sagte ich.
„Ich finde es schön, wenn ihr in dem Alter lernt, wie man gemeinsam betet. Viel schöner wäre es, wenn wir in der Schule ein interreligiöses Gebet oder ein Friedensgebet hätten, an dem alle teilnehmen könnten.“
Vielfalt prägt unsere Schulgemeinschaft seit vielen Jahren. Die Kinder wachsen mit ganz unterschiedlichen religiösen Hintergründen auf. Wie schön wäre es, wenn wir in unserer Schule ein interreligiöses oder gemeinsames Friedensgebet hätten.
So stelle ich es mir vor:
Ein Gebet, das das Miteinandergefühl der Kinder stärkt.
Die Religions- und Ethiklehrkräfte setzen sich zusammen und schreiben oder finden gemeinsam ein Friedensgebet.
Im Unterricht könnten sie mit den Kindern darüber sprechen, was Frieden bedeutet. Die Kinder könnten ihre eigenen Gedanken oder Wünsche aufschreiben. Dann könnten sie ihre Gebete bei dem Gottesdienst vorlesen.
Viele Schulen machen das schon seit Jahren und meine Freundinnen, die an solchen Schulen arbeiten, erzählen mir, dass dieses Gebet zu den schönsten Momenten im Schuljahr gehört.
Der christliche Gottesdienst ist eine alte Schultradition. Als gläubiger Mensch finde ich diese Tradition schön, doch die Schulgemeinschaft hat sich verändert. Die Zahl der Kinder, die nicht mitgehen, wächst jedes Jahr. Und es ist traurig, wenn sich die Schule an diesem Tag in zwei Gruppen teilt. Das vermittelt den Kindern das Gefühl: Wir gehören nicht zusammen.
Der christliche Gottesdienst stört niemanden. Viele muslimische Eltern wollen daran nichts ändern. Wenn ich sie nach ihrer Meinung frage, sagen sie oft: „Ist doch okay so, ich schicke meine Kinder nicht mit.“ Aber genau das ist nicht okay.
Was passiert mit dem Gemeinschaftsgefühl?
Was spüren die Kinder?
Wie fühlen sie sich?
Viele Kinder verlassen die Grundschule mit dem Gefühl: „Ich gehöre nicht dazu“, so wie ihre Eltern. Der Grund, warum sich muslimische Familien in der Schule kaum zeigen oder wenig engagieren, ist nicht die Sprachbarriere. Viele wollen kein Teil der Schulgemeinschaft sein, weil es ihnen in ihrer Kindheit so vermittelt wurde.
Ich höre von vielen Menschen: „Die Schule weckt mein Kindheitstrauma.“ Sie wollen nicht mehr das Problem in der Schule sein und halten sich lieber zurück, auch wenn sie untereinander offen über ihre Erfahrungen sprechen und Dinge benennen, mit denen sie nicht einverstanden sind.
Doch dieses Schweigen löst nicht die Probleme, die uns in den nächsten Jahren begegnen werden. Eine fehlende Wertschätzung kann Kinder von ihrer Schule, ihrer Gemeinschaft und irgendwann auch von unserer Gesellschaft entfremden. Wenn Kinder früh lernen, dass sie dazugehören, verändert das alles.
In unserer Stadt leben seit sechzig Jahren Muslime. In manchen Familien wächst bereits die fünfte Generation heran. Wenn heute Familien in Schulen kein Teil der Schulgemeinschaft werden wollen, stelle ich mir die Frage:
Wo liegt das Problem?
Nein, das ist keine gescheiterte Integration.
Unsere Eltern und Großeltern könnten in unserer Stadt einen Ehrenpreis für gelebte Integration bekommen.
Ich finde es so schade, dass sie bis heute unsichtbar geblieben sind.
Mein Vater hat sein Bestes gegeben, um sich zu integrieren.
Meine Geschwister und ich engagieren uns schon seit unserer Kindheit für die Gesellschaft.
Doch in den letzten Jahre spüre ich eine wachsende Müdigkeit.
Die ständige Mühe, ein Teil einer geschlossenen Gesellschaft zu sein, macht müde.
Man schwebt zwischen zwei Entscheidungen:
Soll ich in einem Umfeld bleiben, in dem ich wertgeschätzt werde?
Oder soll ich weiterkämpfen, um meine Perspektive in eine geschlossene Gesellschaft einzubringen?
Mutter, Pädagogin, Kinderbuchautorin, Bloggerin

Neulich fragte mich ein neunjähriges Kind:
„Was versteckst du unter deinem Kopftuch?“
Verstecken?
Ich war überrascht und völlig unvorbereitet auf diese Frage.

In unserer Grundschule läuft gerade eine Spendenaktion für den Tierschutzverein.
Wir haben beschlossen, dabei mitzumachen. Vor drei Tagen haben wir unsere Spendenbox verschönert.

Der Verein organisiert dieses Wochenende einen Weihnachtsmarkt und hat seine Mitglieder um Unterstützung gebeten.
Danke, liebe Fadim, für deine motivierenden Worte 🥰 Ich will schon lange mein zweites Kinderbuch veröffentlichen aber mir fehlt im…
So schöne berührende Erinnerungen Betül abla 🥹 Ich wünsche mir dass wir auch einen schönen Platz in den jungen Köpfen…
Değer vermek ve dahi görmek, ait hissetmek, kendi olarak kalmak ve kendi olabilmek.. Bizi oraya bağlayan, yuva sıcaklığını hissettiren şeyler..…
wie schön, dass du das auch so siehst, das bedeutet mir viel
Wie wunderbar und wie wichtig dieser Beitrag 🤍
