Warum das Schulfest für mich besonders war

Gestern feierten wir in unserer Grundschule das 70. Jubiläumsfest. Es war nicht nur für die Kinder, sondern auch für uns Eltern ein besonderer Tag. Denn viele von uns waren selbst einmal Schülerinnen und Schüler dieser Schule.

Eine Mutter aus unserer Klasse und ich standen am Förderverein-Stand und hatten wegen der langen Zuckerwatte-Schlangen keine Minute Pause. Deshalb kann ich leider nicht viel über den Ablauf berichten. Ich weiß nur, dass die Lehrkräfte ein wunderschönes Programm für die Kinder vorbereitet hatten und die Kinder in den Klassenzimmern basteln, malen, spielen und lesen konnten.

Die Teamleistung war unglaublich.

Die Helferliste war sehr lang und schon zwei Stunden vor der Veranstaltung waren viele Eltern da, um beim Aufbau zu helfen. In vier Stunden wechselten sich die Eltern in mehreren Schichten ab und die Stände waren immer gut besetzt.

Ich habe an diesem Tag gespürt, dass eine Schulgemeinschaft mehr ist als ein Wort. Wenn so viele Menschen zusammenkommen, entsteht ein echtes Wir-Gefühl. Und genau das bleibt mir noch lange im Herzen.

Das Schulfest wurde in enger Zusammenarbeit von Schule und Förderverein organisiert. Da ich im Förderverein bin, durfte ich in der Organisationsgruppe mitwirken.

Die Vorbereitung lief so professionell, dass ich mich manchmal fragte, ob ich nicht in einer Betriebsversammlung sitze.

Keine Aufgabe blieb unerledigt. Die Eltern, die Schulleitung und die Lehrkräfte kamen nach der Arbeit zu den Sitzungen und übernahmen Aufgaben bis zum nächsten Treffen. Oft blieben wir bis 22 Uhr in der Schule. Alle waren müde, aber keiner wollte früher gehen. Für die Kinderbetreuung sprangen in dieser Zeit oft die Ehepartner/Eherpartnerin oder die Großeltern ein.

Ich war schon viele Jahre in Vereinen aktiv und habe zahlreiche Veranstaltungen mitorganisiert. Aber selten habe ich ein so motiviertes Team erlebt. Die Eltern halfen mit voller Hingabe. Jeder brachte viel Erfahrung mit, keiner brauchte Anweisungen. Entscheidend war die Kommunikation und die lief sehr gut.

In jeder Sitzung spürte man die guten Absichten der Eltern. Sie wollten nur eines: das Beste für die Kinder. 

Besonders beeindruckt hat mich die Offenheit der Schulleitung und des Organisationsteams. Als ich vorschlug, Halal-Wurst zu bestellen, wurde dieser Vorschlag sofort angenommen und wir entschieden uns 300 Bratwürste (Schwein), 300 Halal-Rindwürste zu bestellen.

Schade ist nur, dass so viele Eltern und Kinder in den letzten 50 Jahren auf solche Selbstverständlichkeiten verzichten mussten. Denn in unserer Stadt leben schon seit 60 Jahren zahlreiche muslimische Familien. Doch wurden sie bei Festen lange Zeit kaum mitgedacht.  

Positive Feedbacks

Nach der Veranstaltung erhielt ich sehr viele positive Rückmeldungen, vor allem von muslimischen Eltern. Sie bedankten sich für die wertschätzende Haltung der Schule. Die Väter und Opas, die am Halal-Grill standen, fanden die Organisation großartig. Besonders gefiel ihnen, dass es für die Kinder und Eltern eine Halal-Alternative gab.

Essen ist auch Wertschätzung

Über Halal-Ernährung spricht man kaum, dabei ist es für viele Familien ein wichtiges Thema. Oft ist das der Grund, warum muslimische Familien an Veranstaltungen nicht teilnehmen oder sie früh verlassen. Das hat nichts mit fehlender Integration zu tun. Im Deutschland haben wir das große Gut der Religionsfreiheit. Jeder darf seinen Glauben ausüben, ohne Angst haben zu müssen. Und niemand sollte wegen seiner Religion ausgegrenzt oder benachteiligt werden. 

Wenn in einer Kita, Schule oder einem Verein der Anteil muslimischer Familien hoch ist, erwarten viele Eltern Wertschätzung. Es geht nicht nur darum, ob das Fleisch “halal” ist. Es geht um Anerkennung. Als unsere stellvertretende Schulleitung folgenden Satz sagte, spürte ich diese Anerkennung:

„Wir wollen, dass bei diesem Schulfest jeder mitessen kann.“

Denn eines ist klar: Viele Muslime in Deutschland ernähren sich nach islamischen Vorgaben und das wird sich nicht ändern. Aber das ist kein Hindernis für ein gemeinsames Leben. Ich führe seit Jahren solche Freundschaften und sehe mit eigenen Augen, wie bereichernd sie sind. Niemand überschreitet die Grenzen des anderen. Was „anders“ ist, wird nicht kritisiert. Im Gegenteil. Wir lernen, mit einer anderen Perspektive zu schauen und besser zu verstehen.

Wir sind eine Schulgemeinschaft

Eine offene Haltung spielt in Schulen (auch in Kitas und Vereinen) eine entscheidende Rolle. Denn Eltern engagieren sich dort ehrenamtlich und sie kommen nur, wenn ein echtes Wir-Gefühl entsteht.

Wir sind eine Schulgemeinschaft.

Wir sind die Eltern dieser Schule.

Wir helfen, wir unterstützen, wir entscheiden im Schulbeirat und im Förderverein mit.

Wir werden alle wertgeschätzt, egal, wie wir sind. Andere Hautfarbe, andere Haarfarbe, andere Werte, Wollmütze oder Kopftuch, mit oder ohne Migrationshintergrund, mit einem Punkt auf der Stirn oder ohne.

Ich wünsche mir, dass dieses Schulfest die Schulgemeinschaft stärkt. Dass Eltern in der Schule zueinanderfinden und dass die Gemeinschaft, in der wir uns mindestens vier Jahre lang bewegen, noch lebendiger und offener wird.

Aus den vielen Rückmeldungen weiß ich, dass sich manche Eltern in den Klassengemeinschaften allein fühlen. Manchmal liegt es an Sprachbarrieren, manchmal an anderen Dingen.

Warum ich im Förderverein mitmache

Ich bin seit einem Jahr im Förderverein und traute mich anfangs kaum, das Team zu kontaktieren. Wie viele wissen, habe ich keine blonden Haare und Frauen wie mich nennt man in manchen Schulen „Kopftuch-Mama“.  

Nachdem ich meine Telefonnummer hinterlassen hatte, wurde ich zu einer Sitzung eingeladen. Das Team war so herzlich, dass ich mich schon am ersten Tag wohlfühlte. Schon bei der zweiten Sitzung nannte man mich beim Vornamen (das ist mir sehr wichtig) und ich konnte schnell Anschluss finden. In meinen Augen sitzen im Förderverein starke Persönlichkeiten und diese gegenseitige Motivation stärkt uns alle. Ich bin froh, sie kennengelernt zu haben.

Aber keiner bleibt ewig im Förderverein. Spätestens nach vier Jahren verabschieden sich die Kinder von der Schule und viele Eltern gehen mit. Die Lücken müssen regelmäßig geschlossen werden. Der Förderverein braucht immer helfende Hände, im Team oder bei Veranstaltungen.

Das gesunde Frühstück, die Faschingsfeier, der Essensstand beim Sportfest und vieles mehr werden vom Förderverein organisiert. Spielkisten für die neu eingeschulten Kinder und andere Materialien für die Ganztagsschule werden ebenfalls vom Förderverein finanziert.

Und wer nicht aktiv helfen kann, kann den Verein auch mit einem kleinen Beitrag unterstützen.

(Aus Datenschutzgründen teile ich keine weiteren Fotos vom Schulfest)

Mangalda görev alan gönüllüler hakkında yazdığım yazı burda: İnsan değer gördüğü yerde çiçek açar

Bild von Betül Özdemir

Betül Özdemir

Mutter, Pädagogin, Autorin, Bloggerin

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