
Ein sensibles Thema: Gottesdienst in der Grundschule
In unserer Grundschule finden jedes Jahr mehrere Gottesdienste in der Kirche statt. Für die Religionskinder ist die Teilnahme verpflichtend, für die Ethikkinder freiwillig.
Wer Kinder hat, weiß es.
Eine Spielverabredung zu organisieren ist gar nicht so einfach.
Viele Kinder sind komplett ausgebucht.
Man muss oft drei Wochen im Voraus planen und wenn dann ein Samstag langweilig wird, ist ein spontanes Treffen fast unmöglich.
Meinen Kindern war es oft langweilig.
Ich habe sie in Sportvereinen und Kursen angemeldet, damit sie in Bewegung bleiben und andere Kinder treffen konnten.
Sie hatten Spaß aber keinen richtigen Freiraum.
Sie wollten mit ihren FreundInnen quatschen und Spiele spielen.
Unser einziger freier Tag war Donnerstag.
Wir nannten ihn „Waffeltag“.
Jeden Donnerstag durften die Kinder ihre FreundInnen einladen.
Manchmal fragten mich sogar im Kindergarten die Kinder, ob sie auch kommen dürften.
Jede Woche hatten wir ein Kind zu Besuch.
Dann kam Frühling (2024)
Die Kinder trafen sich jeden Tag im Garten.
Unsere Haustür blieb offen.
Die FreundInnen meiner Kinder durften jederzeit kommen, ganz ohne Termin.
Sie durften sich im Garten und zu Hause frei bewegen.
Drinnen, draußen, mal bei uns, mal bei den Nachbarn.
Als Mutter, die ihre Kinder jahrelang von Termin zu Termin gefahren hat, fand ich das unglaublich schön.
Ich kam um 14 Uhr von der Arbeit nach Hause und konnte nach vielen Jahren endlich zu Hause bleiben.
Die Kinder störten mich nicht.
Die mentale Belastung war früher viel größer.
Jeden Tag musste ich auf die Fragen meiner Tochter reagieren:
“Darf ich heute jemanden besuchen?”
“Warum lädt mich niemand ein?”
“Was können wir heute machen?”
Nicht nur meine eigenen Kinder, auch unsere Gäste waren bei uns zu Hause sehr glücklich.
Nach ein paar Treffen merkte ich, dass nicht nur meine Kinder darunter gelitten hatten.
Viele Kinder möchten andere Kinder besuchen, aber viele Eltern haben dafür einfach keine Zeit oder Energie.
Da wir genug Platz und viele Spiel- und Bastelsachen zu Hause haben, beschloss ich, unseren Garten und unser Haus als Treffpunkt zu öffnen.
Durch meinen pädagogischen Hintergrund weiß ich, wie wichtig solche Begegnungen für Kinder sind.
Das Trampolin war das absolute Highlight.
Die Kinder waren ständig darauf und hatten jede Menge Spaß.
Manchmal lagen sie einfach drauf und redeten über die Schule.
Abends lief das Bewässerungssystem.
Die Kinder rannten in Badeanzügen durch den Garten und hatten einen Riesenspaß.
Ihr Lachen hörte man bis zur Straße.
Und wenn es mal ruhiger war, malten oder bastelten sie.
Und ich las mein Buch auf der Liege.
Zwischendurch hörte ich Sätze wie „Wir Ausländer“.
Beim Abendessen fragte ich den Kindern:
„Wer sind denn diese Ausländer?”
“Wir”
“Warum nennt ihr euch so?”
“Weil wir Ausländer sind”
“Und wer sagt das?”
“…..”
“Wisst ihr, was Diskriminierung bedeutet?“
Sie gaben mir Beispiele aus ihrem Alltag.
Wir sprachen lange darüber.
Kinder sprechen so offen, so ehrlich.
Manchmal habe ich von ihnen mehr gelernt als sie von mir.
Auch über Digitalisierung haben wir oft gesprochen:
„Was macht ihr so mit euren Smartphones?“
„Welche App ist eure Lieblings-App?“
“Was schaut ihr auf Youtube?”
Diese Gespräche sind Gold wert.
Sie zeigen mir, wie wichtig es ist, zuzuhören.
Mein Sohn liebt Bügelperlen.
Wir haben eine ganze Schublade voll, mit allen Farben.
Alle Kinder kennen sie.
Sie kommen, öffnen die Schublade, suchen sich Vorlagen aus und machen in Ruhe ihre Kunstwerke.
Eines Tages kommentierte meine Freundin Gülümser ein Foto, das ich gepostet habe:
„Das Haus der Bügelperlen.“
Sie hat recht.
Die Kinder sind wie Bügelperlen.
So unterschiedlich und doch miteinander verbunden.
Sie wachsen in verschiedenen Familienkulturen auf.
Während manche Kinder am Wochenende in die Kirche gehen, gehen andere Kinder in die Moschee.
Manche verbringen ihre Wochenenden in Sportvereinen, andere bleiben einfach zu Hause.
Einige Kinder essen abends klassisches Abendbrot, andere warme Hauptgerichte.
Wenn sie miteinander reden, merken sie, wie unterschiedlich sie sind und wie bereichernd genau das ist.
Manchmal erzählt mir meine Tochter, was die anderen Kinder in anderen Familien dürfen oder erleben.
Dann sagt sie:
“Jede Familie ist anders”
Seit zwei Jahren überlege ich, ob ich diesen Beitrag veröffentlichen soll.
Wir sehen im Internet so viele Ideen, dass wir manchmal denken, wir machen selbst nicht genug.
Elternschaft ist sowieso schon herausfordernd genug.
Ich wollte niemanden zusätzlich belasten.
Vielleicht inspiriert dieser Text jemanden.
Vielleicht ist da ein Kind, das sich einsam fühlt und eine Mutter oder ein Vater, die gerade überlegen, ob sie die Tür öffnen sollen.
Kinder aus unterschiedlichen Familienkulturen begegnen sich im Kindergarten oder in der Schule.
Doch oft trennen sich ihre Wege danach.
Wie oft höre ich von jungen Müttern:
“Ich habe keine türkische Freundinnen, obwohl ich viele türkische Klassenkameradinnen hatte”
Auch die Eltern selbst sehen sich nur selten.
Nicht in jeder Klasse gibt es einen Elternstammtisch, nicht jede Schule hat ein Elterncafe.
Man trifft sich kurz vor dem Kindergarten, beim Elternabend oder im Sportverein aber selten kommt man wirklich ins Gespräch.
Manche wollen nicht reden, manche trauen sich nicht und manchmal wartet man einfach nur darauf, angesprochen zu werden.
Genau deshalb habe ich beschlossen, nicht zu warten.
Ich habe noch andere Ideen.
Ideen, die auch Erwachsene zusammenbringen können.
Aber sie brauchen Zeit.
Denn mein “inoffizieller Verein” unser eigenes Zuhause.
Das bedeutet:
Regelmäßig aufräumen, putzen und Platz schaffen.

In unserer Grundschule finden jedes Jahr mehrere Gottesdienste in der Kirche statt. Für die Religionskinder ist die Teilnahme verpflichtend, für die Ethikkinder freiwillig.

Neulich fragte mich ein neunjähriges Kind:
„Was versteckst du unter deinem Kopftuch?“
Verstecken?
Ich war überrascht und völlig unvorbereitet auf diese Frage.

Meine Tochter wurde am Donnerstag ganz spontan zu einem Lagerfeuer eingeladen, als wir gerade Besuch zu Hause hatten. Da ihre Freundin schon um 18 Uhr abgeholt werden sollte, sagten wir zu. Das Gastkind bekam das Gespräch mit. Sie ist ein Teil unserer Familie, die Tochter eines der engsten Freunde meines Ehemannes. Kurz bevor sie ging, sagte sie zu mir:
„Ich wünschte, ich wäre heute auch zum Lagerfeuer eingeladen.“
Danke, liebe Fadim, für deine motivierenden Worte 🥰 Ich will schon lange mein zweites Kinderbuch veröffentlichen aber mir fehlt im…
So schöne berührende Erinnerungen Betül abla 🥹 Ich wünsche mir dass wir auch einen schönen Platz in den jungen Köpfen…
Değer vermek ve dahi görmek, ait hissetmek, kendi olarak kalmak ve kendi olabilmek.. Bizi oraya bağlayan, yuva sıcaklığını hissettiren şeyler..…
wie schön, dass du das auch so siehst, das bedeutet mir viel
Wie wunderbar und wie wichtig dieser Beitrag 🤍
